Vierter deutscher Speed-Kite Wettbewerb

2012 Dornumersiel

 

Auch im Jahr 2012 wurde in Dornumersiel wieder der Speedkiting Contest veranstaltet. Diesmal reiste ein Teil des Organisationsteams schon am Donnertag mit reichlich neuer Hard- und Software zur Geschwindigkeitsmessung an um mit den Vorbereitungen für den Contest zu beginnen. Verschiedene finale Tests mussten mit der neuen Messanlage noch durchgeführt werden, um einen reibungslosen Ablauf des Contests zu gewährleisten. Mit der neuen Messanlage ist es nun möglich, über eine viel größere Distanz bis zu 46 Werte pro Sekunde zu erfassen. Zudem ist sie in der Lage, selbst kleinste Flugobjekte und Matten problemlos zu erfassen und entsprechend auszuwerten. Eine weitere Verbesserung zu den Vorveranstaltungen war, dass diesmal das Messfeld genauer mit Pylonen markiert wurde und es dies dem Messpersonal und den Piloten einfacher machte, sich zu orientieren. 

Insgesamt fanden sich  29 Piloten aus 3 verschiedenen Ländern  (Deutschland, Frankreich und Österreich) zu dem Contest ein, sowie zahlreiche Besucher,  welche sich das Spektakel live ansehen wollten, anstatt nur darüber zu hören oder zu lesen.

Im Feld fanden sich dieses Jahr neben zahlreichen privaten Startern auch eine größere Zahl von Drachenherstellern. Neben den schon aus den Vorjahren bekannten Startern Christoph Fokken (Spiderkites), Tom Klar ( Wolkenstürmer) und Long Duong gingen dieses Jahr auch Michael Tiedtke (SpaceKites), Jens Frank  (Level One) so wie  Heiko Eikenberg  (Alpha-Kites)  mit eigenen Kites an den Start. 

 

Der Freitag begann mit dem Aufbau des Messfeldes und der Anlage, sowie verschiedenen Messversuchen. Teil dieser Versuche war ein „Wilder Willy Battle“ aus dem Hause SpaceKites, bei dem jeder der wollte, seinen Willy durch die Messanlage schicken konnte. Das Angebot wurde auch gut angenommen und es wurden verschiedene Willys und Gespanne aus Wilder Hilde und Wilder Willy zusammen geflogen. Trotz des relativ geringen Windes kamen dabei schon beachtliche Werte zusammen. 

Der Abend wurde dann in der örtlichen Gastronomie genutzt, um sich gemütlich miteinander über das gemeinsame Hobby bei gutem Essen und Trinken zu unterhalten.

 

Der Samstag begann, wie schon bei vorherigen Veranstaltungen in Dornumersiel auch, mit einer Flaute. Bei auflandigem Nichtwind um die 0 bis 3Kmh war an Drachenflug nicht zu denken. Man nutzte die Zeit jedoch, um letzte Handgriffe an seinem Material vorzunehmen und sich darüber zu unterhalten, welchen Kite man fliegen würde, sobald der Contest gestartet werden kann. Zwischenzeitlich fand sich das lokale Fernsehen (Friesischer Rundfunk) ein und das Orgateam konnte ausführlich erklären, warum Speedkiting so eine aufregende Sache ist  und warum leider im Moment der Wettbewerb nicht starten kann.

 

Für den Nachmittag sollte der Wind sich drehen und immerhin 1-2 Beaufort mit sich bringen. Der wenige Wind war durchaus ein Problem, denn nicht viele Piloten hatten einen oder mehrere Kites, die bei diesem Wind überhaupt fliegen, geschweige denn 10 Durchflüge schaffen, um in die Wertung des Sonderpreises „Best of 10“ zu kommen.  Zum Glück traf die Aussage der Wetterdienste zu, der versprochen Wind kam und steigerte sich stetig. Der Contest konnte beginnen! Nach dem üblichen Willkommen und Pilotenbriefing begann endlich der ersehnte erste Durchgang der Klasse 1.

 

Einige Piloten pokerten bei diesem ersten Durchgang bereits sehr hoch und riskierten sehr viel. Leider ging diese Taktik dieses Mal nicht auf. Entweder konnte der Kite in der vorgegebenen Zeit von 8 Minuten aufgrund des geringen Windes nur schwer gestartet werden, oder ein korrekter Anflug war fast nicht möglich, bzw. der Kite wurde schon beim Start oder bei einer unbeabsichtigten Landung  beschädigt.

Viele Piloten, und nicht nur Neulinge, stellten fest, dass Drachenfliegen und Wettkampffliegen doch zwei  verschieden Dinge sind. Hier galt der Spruch eines erfahren Trickfliegers: Eine lange Gerade zu fliegen ist kein einfacher Trick!

Der beste Wind und sauberste Anflüge, welche an Präzision und Konstanz kaum zu überbieten waren, brachten Mark Rauch hier die erfolgreichste Platzierung des Tages.

 

Ergebnisse des 1. Durchlaufs Klasse 1 (Zweileiner):

 

Teilnehmer Top-Speed Km/h
BoT Km/h
Kite
Mark Rauch 121 107,8 Rise 180 IL
Laurent Morale 108 96,8 Proto 160
Mathias Cornelißen 102 97,7 Isotop 210
Christoph Fokken 95 89,3 Lycos 2.5 Competition
Florian Walter 95 89,4 Liquid 210 UL
Michael Strobl 94 88,2 S6 180 Cuben
Heiko Eickenberg 92 88,4 Espadon
Jochen Kleinblotekamp 92 85,5 Liquid Strong 210
Stefan Schlegel 92 83 Speed Topas Prototyp
Bernd Stephan 90 79,2 Panthere II
Marco Stoschek 90 82,9 Tavor 220
Andre Eibel 88 82,3 Scalpell
Ingo T. Storm 88 77 Lycos 2.5 Competition
Joachim Nelz 86 79,7 Wilder Willy
Nils Röder 86   Armageddon 223
Patrick Vorndran 85 78,1 Brett mit Latten
Michael Tiedtke 84 74,3 Ur-Willy
Jens Frank 82 72,6 Razorback
Tom Klar 82 72,1 Lycos 2.5
Michael Schulz 79 73,3 Lycos 2.5 Competition
Stefan Gesell 78 72,8 Wilder Willy
Michel Rohe 76 72,1 Espadon
Bernd Koop 74 67,6 Wilder Willy
Dirk Splithoff 74 67 Lycos 2.5 Competition
Long Duong 73   Panthere II Medium
Raphael Koop 67 60,4 Lycos 2.0
Thomas Hewing 61   Gargomel 20

 

Der Abend endete mit geschafften, aber glücklichen Piloten, denn die Wettervorhersage meldete bis zu 40Kmh Wind für den kommenden Sonntag. Man traf sich beim Italiener vor dem Damm und ließ es sich gut gehen. Gesprächsthema Nr. 1 war natürlich der Wettkampftag. Man könnte wetten, viele Piloten haben in der Nacht nicht sonderlich viel geschlafen vor lauter neuen Eindrücken und Freude auf den nächsten Tag!

 

Am Sonntag begann der  Contest zügig und mit beharrlicher Disziplin ging es direkt an die Klassen 2, 3 und 4, welche in Gruppen zusammengefasst wurden. Gestartet wurde mit den Vierleinern(Kl.2) bei noch durchwachsenem Wind um 20Kmh:

 

Platz Teilnehmer Top-Speed Km/h
Kite
1 Mark Rauch 137 Engel Speedy Race
2 Ingo T. Storm 133 Ozone Imp Quattro 1.0

 

Anschließend wurde direkt und ohne Verzögerung die Gespannklasse gestartet. Das große Starterfeld zeigte sich sehr gut organisiert und es gab keine unangemessenen Wartezeiten zwischen den einzelnen Startern. Bei den Gespannen kam es zu einer kleinen Sensation: Zum ersten Mal konnte sich ein Gespann auch den Topspeed der Gruppenzusammenfassung erfliegen: Jochen Kleinblotekamp schaffte es, am äußersten Limit fliegend und bei nun auffrischendem Wind, gegen Ende des Durchgangs mit seinem Gespann aus Liquid 140 und 170 Strong eine Fabelgeschwindigkeit von 161Kmh zu erreichen. 

 

Platz Teilnehmer Top-Speed Km/h
Schnitt Km/h
Kites
1 Jochen Kleinblotekamp 161 133,0 Liquid 140 + 170 Strong
2 Mathias Cornelißen 151 133,4 Liquid 100 + 120 Mylar
3 Thomas Hewing 151 126,3 Phite 120 + 140
4 Nils Röder 150 128,9 Liquid 140 + 140
5 Michael Strobl 148 130,7 Tiger II + Cougar
6 Mark Rauch 147 130,4 2x Panthere II Mini
7 Florian Walter 139 127,8 Tiger II TS +Cougar II TS Mylar
8 Laurent Morale 135 119,3 Panthere II 144 + Medium
9 Long Duong 118 - Panthere II 144 + Medium
10 Michel Rohe 113 108,4 Panthere II 144 + Medium

 

Auch die  Klasse 4(Sonstige) kam nicht mehr an den Topspeed des Liquid Gespanns heran:

 

Platz Teilnehmer Top-Speed Km/h
Kite
1 Ingo T. Storm 153 Lycos 3.0
2 Laurent Morale 142 Panthere II Mini
3 Michel Rohe 138 Panthere II Mini
4 Andre Eibel 133 Panthere II Mini
5 Bernd Stephan 127 Lycos 3.0

 

Aufgrund des jetzt stärkeren Windes konnten leider nicht alle gemeldeten Drachen antreten, da die bei größeren Drachen auftretenden Zugkräfte einen sicheren Flug nicht mehr gestatteten. Daher verzichteten die Piloten auf den Start von gemeldeten Stabdrachen mit mehr als 2,50m Spannweite.

 

Die Königsklasse

Der Wind legte sich nach einer kurzen Pause wieder etwas und bei Windgeschwindigkeiten von 18-25Kmh wurde nun die Königsklasse artegerecht gestartet. Zu dieser Zeit war der Wind das entscheidende Thema. Je näher man sich der Nachmittagszeit näherte, je mehr legte dieser zu und wurde immer stetiger. Aber so ist es, das Spiel mit dem Wind!

Bei vielen spannenden Runden zeigten die Piloten ihr Können und pushten sich unter Anfeuerung der Zuschauer  zu immer neuen Höchstleistungen. Ein Teilnehmer meinte nach großer Anstrengung und konzentriertem Fliegen: „Verdammt! Das waren die längsten drei Minuten meines Lebens!“

Auch die anderen Wettkampfpiloten zeigten große Anteilnahme am Geschehen. Nachdem Mark Rauch  mit seinem Gargoyle Race  als vierter Starter  die 170 Km/h überschritt und schon fast wie der Sieger aussah, überraschte Christoph Fokken als neunter Starter  mit seiner Lycos 2.5 das Feld und setzte sich mit 4Kmh mehr noch vor den bis dato schnellsten Stabdrachen. Konnte zum ersten Mal eine Matte den Contest gewinnen?

Erst Mathias Cornelißen konnte als 21. Starter mit der Lycos gleichziehen und in der Durchschnittsgeschwindigkeit mit 0,4Kmh sich ganz knapp einen Platz vor der Lycos platzieren. Nach Matthias Cornelißen ging Michael Rohé ins Feld. Nach kurzer Überlegung entschied er sich für den Tiger II TS, entworfen und gebaut von Long Duong. Die Spannung stieg stetig, wie jetzt auch der Wind.

In einem fantastischen Lauf, wo wirklich alles stimmt(Pilot, Pilotenkönnen, Wind von bis zu 41Kmh, Kite und vor allem die richtige Einstellung!) konnte er die Lycos auf den zweiten Platz verweisen. Michel war einer der wenigen Piloten, der nicht bis ans Letzte ging, nicht zu hoch pokerte und mit seiner Ruhe und Gelassenheit sich einen langjährigen Traum erfüllte. Mit einer fantastischen Geschwindigkeit von 189Kmh und einer Durchschnittsgeschwindigkeit in der „Best of 10“-Wertung von 176,8Kmh lag  er nicht nur im Contest vorn, sondern errang auch den größten Respekt all seiner Speedkiting-Freunde. Aber das Rennen war noch nicht zu Ende.  Knapp schob sich der vorletzte Starter Andre Eibel mit seinem außergewöhnlichen Projekt Cuben Scalpel  zunächst auf Platz 2. Doch büßte er noch einen Platz ein, als der letzte Starter Thomas Hewing mit seinem selbstentwickelten Gargomel im letztem Flug am Radar vorbei sich zwischen ihn und Michel Rohé setzen konnte.

Was für ein Finale!

Somit ging nicht nur der Sieg,  sondern auch der „Best of 10 Award“ an Michel Rohé aus Frankreich.  Alles richtig gemacht Michel, BRAVO dem Champion 2012!

 

Ergebnisse des 2. Durchlaufs und Schlusswertung  der  Klasse 1 (Zweileiner):

 

Platz Teilnehmer Top-Speed Km/h
BoT Km/h
Kite
1 Michel Rohe 189 176,8 Tiger II TS
2 Thomas Hewing 183 176,1 Gargomel 20
3 Andre Eibel 181 159,2 Scalpel Mini race
4 Mathias Cornelißen 178 169 Liquid 140
5 Christoph Fokken 178 168,6 Lycos 2.5 Competition
6 Mark Rauch 174 168,5 Gargoyle Race
7 Michael Strobl 168 151,4 S6 Lo 160
8 Ingo T. Storm 168 146,5 St. Lycos 2.0
9 Dirk Spliethoff 167 157,3 Lycos 2.5 Competition
10 Jochen Kleinblotekamp 166 152,4 Liquid 170 Strong
11 Nils Röder 161 149 Armageddon 165
12 Jens Frank 156 151 Razorback
13 Stefan Gesell 153 148,3 Razorback
14 Long Duong 153 146,8 Tiger Light
15 Marco Stoschek 151 145,5 Tuxal 140
16 Laurent Morale 151 145 Panther 144
17 Michael Schulz 149 140,8 Lycos 2.5 Competition
18 Stefan Schlegel 148 138,8 Speed Topas Prototyp
19 Thorsten Kabelitz 148 133,4  Cougar II
20 Bernd Stephan 146 141 Tavor 160
21 Mario S.
141 137,4 Wilder Willy
22 Raphael Koop 141 129,9 Pantere II Medium
23 Florian Walter 141 124,1 Liquid 140 Mylar
24 Joachim Nelz 132 125,5 Wilder Willy
25 Heiko Eickenberg 127 123,5 Alpha S
26 Michael Tiedtke 126 120,5 Wilder Willy
27 Tom Klar 114   Matte Prototyp
28 Patrick Vorndran 73,3*   Cougar II
29 Bernd Koop 67,6*   Wilder Willy

*Wertung aus Lauf 1, da in Lauf 2 keine gültigen Werte

 

Vor der Siegerehrung überraschte man noch die Unterstützer des Wettbewerbs. Der Dank galt Christoph Fokken für die Übernahme der Kosten der Pokale, Michael Tiedtke für die Kosten des Zeltes sowie der Arbeit vor Ort mit der Gemeinde Dornum und Tom Klar für die zur Verfügung gestellte Lautsprecheranlage und der Pylone.

Anschließend fand die mit Spannung erwartete Verlosung von drei unterschiedlich großen Atraxen, einer Lycos 1.6, einer Wasabi 1.3, einem Eigenbau von Andre Eibel und einer Flasche französischem Sekt statt. Das Team von Speedkiting.eu dankt hier den Spendern der Sachpreise Christoph Fokken, Tom Klar und Andre Eibel!!

Der diesjährige Sonderpokal wurde Michael Tiedtke von SpaceKites verliehen. In der Dankesrede wurden dafür unter anderem folgende Gründe genannt:

Er ist seiner Linie über alle Jahre des Geschäftslebens treu geblieben, möglichst vielen Kitern alltagstaugliche und solide Drachen zu liefern. Auch hat er mit dem DW2, der wilden Hilde und zuletzt dem wilden Willi bei vielen Piloten das Interesse am Speedfliegen geweckt.

 

Und so ging ein fantastisches Wochenende zu Ende. Nach der Preisverleihung  und dem gemeinsamen Fotoshooting fiel dann der ganze Stress von den Teilnehmern und dem Orgateam ab und man trennte sich glücklich und zufrieden. Warum ist das Warten auf den nächsten Contest immer so lange wo es doch nur um neue Höchstgeschwindigkeiten geht?!

 

(...und wenn sie nicht gestorben sind, so kiten sie noch heute)

((Konnte ich mir beim Schluss des Artikels nicht verkneifen.))

 
 
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