höher? weiter? SCHNELLER!

 

Immer auf der Jagd nach neuen Rekorden, ist auch die Drachenszene nicht verschont geblieben. Der aktuelle Höhenrekord liegt seit 1919 bei 9740 Metern, erreicht von einem Gespann aus acht Drachen von insgesamt 63 Quadratmetern Fläche des meteorologischen Observatorium Lindenberg bei Berlin. Den längsten Flug, und das mit gleich drei unabhängig voneinander gesteuerten Lenkdrachen gleichzeitig, absolvierte 1994 Ray Bethell in Long Beach/USA mit 12h 12min.

 

Und der Schnellste? Selbstverständlich wurde auch diese Disziplin in Angriff genommen.

 

 

Radarmeßstrecke am Strand

 

 

Was bestimmt noch fast jedem ein Begriff aus seiner Kindheit ist “Drachen steigen lassen”, hat sich im Laufe der Jahre auch zum ernsthaft betriebenen Hobby für Erwachsene aller Altersklassen weiterentwickelt.

 

Grundlegend unterscheidet man zwischen einleinigen Drachen (die in aller Regel nicht lenkbar sind) und mehrleinigen Drachen, die an zwei bis vier Leinen vom Piloten gesteuert werden können. Im Bereich der lenkbaren Drachen kann weiterhin unterschieden werden:
- Trick- und Präzisionsflug: Hier geht es darum einen Lenkdrachen so präzise wie möglich vorgegebene oder selbst entwickelte Figuren und Manöver zu fliegen.
- Power- und Traction-Kiting (Kite ist der in der Szene gerne verwendete Anglizismus für Drachen): Hier wird der Drachen in der Regel als Antrieb genutzt um sich mit verschiedensten Gefährten fortzubewegen. Ganz gleich ob auf Ski, Snowboard, Mountainboard (eine Art Skateboard mit größeren Rädern) oder auch auf speziell für diesen Sport konstruierten Strandbuggys.

 

In letzter Zeit hat sich eine weitere Sparte entwickelt, die bisher eher ein Schattendasein fristete: Speedkiting!
Hierbei ist die Zielsetzung mit einem Sport-Lenkdrachen (aus dem Stand geflogen) eine höchstmögliche Fluggeschwindigkeit zu erreichen.

 

Die meisten Drachenhersteller haben bereits Seriendrachen im Angebot, die auf eine hohe Fluggeschwindigkeit ausgelegt sind. Jedoch werden hier häufig noch leichte Kompromisse eingegangen um noch ein möglichst gutes Startverhalten und einen stabile Flug zu gewährleisten. Für höchste Flugleistungen müssen jedoch Abstriche in der Gutmütigkeit eines Drachens gemacht werden.
Daher zeichnete es sich bereits recht früh ab, dass von einigen Piloten bestehende Drachen weiter optimiert oder auch gleich ganz neue Konzepte verfolgt werden. Neben der Basis des klassischen und auch sehr bewährten Delta-Flügels sind auch einige innovative Ansätze zu erwarten. Unter Einsatz modernster Materialien, Kohlefasergestänge und beschichtete oder gar laminierte Spinnakertuche gehören hier bereits zum Selbstverständlichen, wird in vielen Drachenkellern in ganz Deutschland auf den Wettbewerb hin entwickelt, gebaut und getestet. Die Vielfalt der bereits jetzt bekannten seriennahen und auch neu konzipierten Speed-Kites läßt auf ein vielfältiges Starterfeld schließen.

 

Bisher gibt es nur wenige mehr oder weniger genaue Anhaltspunkte in der Geschichte des Drachenfliegens mit Zielsetzung auf hohe Geschwindigkeiten:
- Bereits 1987 wurde in den USA mittels eine Radarpistole der Polizei eine Fluggeschwindigkeit eines Drachen von 174 km/h gemessen.
- 1993 beschreibt Rieleit mittels photografisch festgehaltener Bewegungsunschärfe errechnete Geschwindigkeiten von bis zu 222 km/h.
- 1997 wurden bei einem Speedkiting-Wettbewerb in Frankreich bei Windgeschwindigkeiten von nur 14 km/h Drachen mit 127 km/h gemessen.

 

Daher darf man gespannt sein, was mit modernen Materialien und genauem Meßgerät für Ergebnisse auch im direkten Vergleich erzielbar sein werden!

 

Der erste deutsche Wettbewerb wurde im Mai 2008 in insgesamt vier Rennklassen durchgeführt. Die erste Klasse bietet mit den schärfsten Vorgaben die beste Vergleichbarkeit der verschiedenen Drachenkonzepte. In den weiteren Klassen sind dann auch bis zu vierleinig gesteuerte Drachen sowie Gespanne aus mehreren Drachen zu finden. Letztere bieten auch unter normalen Bedingungen geflogen immer wieder ein imposantes Erscheinungsbild.

 

In den Wettkampfrunden fliegen die Piloten im Einzelflug durch die Meßstrecke. Anhand der Meßergebnisse werden dann die Plazierungen ermittelt. Die erste Rennklasse wird in mindestens zwei Läufen an den beiden Wettkampftagen geflogen werden. Die anderen Klassen treten je nach Teilnehmerzahl in ein bis zwei Läufen an.

 

Aber nicht nur die Wettkampfgeräte sind High-Tech pur. Auch bei der Meßeinrichtung wurde höchster Wert auf absolute Professionalität gelegt. Bei dem kritischen Meßvorgang eines weit über 100 km/h schnellen Drachens, der mit seinem geringen Profil frontal auf die Meßeinrichtung zufliegt sind zuverlässige Meßergebnisse keine Selbstverständlichkeit mehr. Nach einigen Versuchen mit diversen technischen Ansätzen und Meßgeräten konnte erst eine eigens aus den USA importierte Doppler-Radar-Meßanlage restlos überzeugen.

 

So wurden bei diesem Wettbewerb erstmals genaue Vergleichswerte verschiedener Drachen, die bei vergleichbaren (Wind-) Bedingungen geflogen sind, erwartet. Daher ist diese Veranstaltung auch für die Entwickler und Piloten von höchstem Interesse!

Text: Peter Wernert

 
 
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